30.11.2010

Prof. Dr. Michael Utsch

Aufgaben und Grenzen der Religionspsychologie

Eine dialogische Perspektive

War zu früheren Zeiten das Primat des Spirituellen alltagsprägend – der Mensch wähnte sich geborgen im „Schoß“ der Kirche –, hat heutzutage diese Aufgabe der „Lebensvergewisserung“ die Psychologie übernommen. Das Verhältnis Religion – Psychologie ist deshalb so konfliktreich, weil es dabei um die Vormachtstellung hinsichtlich der Deutungs- und Erklärungsbedürftigkeit des Alltags geht: Wird ein Ereignis innerweltlich-psychologisch oder im weitesten Sinne überweltlich-religiös gedeutet? Weitere kontroverse Grundsatzfragen hinsichtlich unterschiedlicher anthropologischer Leitbilder – zugespitzt etwa „Selbstverwirklichung“ contra „Nachfolge“ – machen einen großen Teil der „Polaritätsspannung“ in der Religionspsychologie aus. Besonders durch populärwissenschaftliche Veröffentlichungen wurde der Eindruck geschürt, als könne die Psychologie Antworten auf alle Lebensfragen geben. Sicher hat die Psychologie durch die systematische Untersuchung der menschlichen Persönlichkeitsentwicklung, differenzierte Erklärungsmodelle über die Zusammenhänge zwischen Emotion, Kognition und Motivation oder die Analyse unterschiedlicher Einstellungen und Handlungen das Seelenleben und menschliches Fühlen, Denken und Wollen verständlicher gemacht. Bei allen nützlichen Teilerkenntnissen muß aber bewußt bleiben, daß der Mensch als ganzes psychologisch nicht erklärt oder „gedeutet“ werden kann. (publiziert in: Praktische Theologie 35/2 (2000), S. 97–107)

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