30.11.2010

Prof. Dr. Birgit Harreß

Das Menschenbild Dostojewskijs

Die Prämissen, von denen Dostojewskij in der Gestaltung seiner Figuren ausgeht, sind die Endlichkeit des Daseins, also die Sterblichkeit, und der Umgang des Menschen mit ihr. Während die Sterblichkeit in Dostojewskijs einzelnen Werkphasen eine unterschiedliche Wertung erfährt, bleibt die Reaktion der meisten Figuren auf sie konstant. Bedrängt nämlich von der Endlichkeit ihrer Existenz und der Notwendigkeit, sie zu hinterfragen, flüchten sie sich in die Verdrängung, in eine vermeintlich bergende Mitwelt, die mit ihren festgeschriebenen Regeln Halt zu geben verspricht. Mit all ihren Einrichtungen, Sitten, Moden und Gebräuchen, mit ihrer lügnerischen Werteskala, die nur von Äußerlichkeiten dominiert wird, demaskiert Dostojewskij diese Mitwelt als ein gewaltiges Netzwerk, das die Menschen zwar hält, aber auch fesselt. Von seinen frühesten Texten an zeigt er die Seelenlosigkeit dieses Kollektivs sowie die Aggressivität, die dann aufkommt, wenn ein Mensch sich aus dem Netzwerk zu befreien sucht.

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