27.11.2010

Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein

Den Theologen ein Ärgernis, den Vernünftigen eine Torheit?

Das Wort vom Kreuz

Es geht also bei der Kreuzestheologie gerade nicht um die verbreitete Vorstellung, dass Menschen ein Opfer bringen, damit die abweisende Gottheit besänftigt und umgestimmt wird. Im Gegenteil! Die Lebenshingabe Jesu bis ans Kreuz wird als Ausdruck der voraussetzungslosen und vorausgehenden Liebe Gottes zu den Menschen erkannt und bekannt (Röm. 5,8; Eph. 2,4ff; Joh. 3,16). Das Kreuz Jesu wird zum „Erkenntnisgrund“ der Liebe und Zuwendung Gottes – sowohl der Liebe des Vaters wie der des Sohnes. Christus gab sich selbst, weil Gott die Welt so sehr liebte, nicht damit er sie erst als Folge des Kreuzesgeschehens liebte. Es handelt sich bei dem Wort vom Kreuz um eine „nicht-konditionierte Zuwendung“ und „unbedingte Annahme“. – Viele Verständnisprobleme entstehen heute dadurch, dass die frühchristliche Rede von Gott als „Vater“ und „Sohn“ als die vermenschlichende Vorstellung von zwei Göttern missgedeutet wird. Wie es spätere Bekenntnisse ausführlich beschreiben, setzen die frühen Christen als geborene Juden selbstverständlich das „Einssein“ des Gottes voraus, der sich als „Vater“ und als „Sohn“ offenbart. Dieser eine Gott und Herr hat die Überwindung der menschlichen Beziehungsstörung nun gerade nicht auf andere abgeschoben, sondern in Gestalt des Sohnes selbst auf sich genommen.

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