30.11.2010

Prof. Dr. Dr. Rainer Mayer

Evangelium und Wissenschaft

Wir wollen diesen Fragen nachgehen und unsere Überlegungen in drei Themenkreisen entfalten: 1. Was die Wissenschaft kann 2. Was der Glaube kann 3. Was geschieht, wenn Wissenschaft und Glaube einander begegnen

 

Was die Wissenschaft kann

Wenn wir unter Wissenschaft das fragende und forschende Durchdringen der Welt verstehen, dann gehört Wissenschaft zum Menschsein des Menschen. Die älteste Wissenschaft war stets gleichzeitig auch Philosophie und Religion. Wenn in vorgeschichtlicher Zeit ein Jäger ein Tier erlegte, also töten mußte, um den Hunger zu stillen, ahnte er, daß er an ein Tabu rührte. Er tötete, damit Leben weiterging. Die Beute war Opfer. Als die alten Babylonier den Gang der Gestirne berechneten, sahen sie auch ihr Schicksal von den unsterblichen Göttern berührt. Achsenzeit hat KARL JASPERS jene Epoche im 6. Jahrhundert vor Christus genannt, in der sich dann die Frage nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, ganz den natürlichen Ursachen zuwandte. Die glänzende Epoche der griechischen Philosophie begann. Die abendländische Wissenschaft entsprang aus zwei Quellen: Der griechischen Weltsicht verdankt sie ihre Frageweisen und mathematischen Grundlagen; der jüdisch-chnstliche Glaube vermittelte ihr den freien Zugang zur Welt. Durch die Bibel wurde die Welt entgöttert. Welt ist Schöpfung, also von Gott unterschieden. Es gibt keine Tabus, keine heiligen Haine, Quellen und Berge, die unzugänglich bleiben müssen. Die Welt ist keine Stätte der Unordnung oder Tummelplatz von Gespenstern. So flossen mit der Überzeugung, daß die Welt einen Wirker hat und ihre Gesetze stetig und darum verläßlich sind, griechische Kosmosauffassung und biblisches Schöpfungsdenken ineinander. Damit war der Rahmen abendländischer Wissenschaft gegeben. Die moderne Wissenschaft erweiterte ihn insofern, als es ihr nicht mehr allein um die Erkenntnis der natürlichen Ursachen ging, sondern um den Zugriff auf diese. Die Naturgesetze wurden nicht länger erforscht, nur um sie zu bestaunen, sondern um sich ihrer zu bedienen für vom Menschen frei bestimmte Zwecke. Wissenschaft und Technik gingen von nun an als Geschwister eng Hand in Hand.

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