02.12.2010
REZENSIONEN

Hat die Wissenschaft Gott begraben?

Rezension von Prof. Dr. Hartmut Ising

Dieses Buch erscheint in der Reihe „Glaube und Wissenschaft“ des Instituts für Glaube und Wissenschaft. Herausgeber der Reihe ist Dr. Jürgen Spieß.

Dr. John Lennox, Mathematiker und Philosoph an der Universität Oxford legt eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen zum Thema „Glaube, Vernunft und Naturwissenschaft“ vor. Durch Zitate namhafter Naturwissenschaftler und Philosophen stellt er die Argumente der atheistischen und der theistischen Deutung des Universums und des Lebens möglichst objektiv dar. Dabei geht es vorrangig um die Frage, ob die beobachtete Feinabstimmung des Universums als Lebensraum sowie das Leben selbst einen Planer voraussetzt, oder ob Zufall und Notwendigkeit zur Erklärung ausreichen.
Die Argumente werden für den Laien nachvollziehbar auf unzulässige Verallgemeinerungen oder Rückschlüsse, sowie auf Übereinstimmung mit wissenschaftlichen Beobachtungen  geprüft. Der Leser wird mitten in den Kampf der Atheisten gegen den Glauben an Gott hineingestellt, z.B. mit folgendem Zitat von Richard Dawkins (Oxford Professor für öffentliches Wissenschaftsverständnis): „Der Glaube ist eines der großen Übel der Welt, vergleichbar dem Pockenvirus, aber schwerer auszurotten“.
Vielleicht wundert sich mancher über diese feindseligen Worte, aber zumindest die Widerstandsfähigkeit des Glaubens wird von Dawkins richtig eingeschätzt. Das geht aus einer Veröffentlichung des Wissenschaftsmagazins „Nature“ aus dem Jahr 1997 hervor. Danach hat sich der Prozentsatz der an einen persönlichen Gott glaubenden Naturwissenschaftler in den letzten 80 Jahren in den USA nicht geändert.
Aber auch die Gläubigen sollten ihre Lektion lernen, z.B. aus dem traurigen Kampf zwischen Kirche und Galilei. Lennox schreibt: „Eine Lehre für diejenigen, die die Bibel ernst nehmen, sollte sein, dass sie demütig genug sind, zwischen den Aussagen der Bibel und ihrer eigenen Interpretation der Bibel zu unterscheiden. Die Bibel könnte ja einfach komplexer sein, als sie auf den ersten Blick denken, und es könnte die Gefahr bestehen, dass man sie verwendet, um Gedanken zu rechtfertigen, die sie selbst nie zu lehren beabsichtigte.
Er vermeidet deshalb umstrittene Argumente, wie z.B. die Ansicht, dass es vor dem Sündenfall keinen Tod gegeben habe sowie jede Auseinandersetzung über das Alter der Erde und der verschiedenen Arten von Lebewesen. Deshalb wird zwar mancher Christ seine Argumentation als unvollständig kritisieren. Wir sollten  aber bedenken, dass es angesichts einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 1/1040 000  für die zufällige Entstehung des Lebens (Schätzung des Astrophysikers Fred Hoyle) keine Rolle spielt, ob die Erde 104 oder 1010 Jahre alt ist (in Worten zehntausend oder zehn Milliarden). Unser Herr Jesus Christus nahm auf die Denkvoraussetzungen der Sadduzäer Rücksicht, die nur die 5 Bücher Moses als authentisch betrachteten, indem er in seiner Diskussion mit ihnen nur aus den Moses Büchern zitierte. John Lennox folgt in seinem großartigen Buch diesem Beispiel und dem des Apostel Paulus und wird „den Wissenschaftlern ein Wissenschaftler“  – allerdings einer, der viele unangenehme Fragen stellt und uneingeschränkt die Wahrheit aller Argumente durchleuchtet. Dadurch ist sein Buch in besonderem Maße für die Skeptiker des Schöpferglaubens eine Herausforderung, der sich kein ehrlicher Wahrheitssucher verschließen kann. Dies wird durch folgendes Beispiel verdeutlicht: Ein namhafter Biologieprofessor an der Universität Oxford besucht den Autor, sieht das Manuskript des vorliegenden Buches und interessiert sich dafür. Obwohl er reichlich mit Arbeit überhäuft ist, bringt er schon am nächsten Tag das Manuskript – bis zur letzen Seite voll mit seinen Anmerkungen – mit dem Kommentar zurück: „Dieses Buch hat mich wie kein anderes zum Nachdenken provoziert. Es bietet eine ideale Gesprächsbasis. Ich möchte am liebsten jedem Kollegen in Oxford eine Kopie geben.
Das Buch ist aber nicht nur für Professoren geeignet. John Lennox gelingt es meisterhaft, schwierige Zusammenhänge und philosophische Probleme wie Kategoriefehler mit anschaulichen Beispielen zu verdeutlichen. Wenn z.B. Tante Mathilde einen Kuchen backt, so können Naturwissenschaftler zwar alle möglichen Fragen Wie-Fragen z.B. nach Zusammensetzung, Nährwert u. a. untersuchen und beantworten, aber die Frage, warum der Kuchen gebacken wurde, ist mit naturwissenschaftlichen Methoden prinzipiell nicht zu erforschen. Würde jemand aus dieser Tatsache den Schluss ziehen, der Kuchen sei zu keinem Zweck gebacken worden, so würde er einen Kategoriefehler begehen. Dennoch  behauptet Peter Atkins: „Die Wissenschaft benötigt Zwecke nicht [...] All der außergewöhnliche, wundervolle Reichtum der Welt kann als ein Aufwachsen vom Dunghaufen sinnloser, miteinander verknüpfter Zersetzung ausgedrückt werden“. John Lennox fragt nun, was wohl Tante Mathilde dazu sagen würde und kommentiert: „Es ist eine Sache, (mit Recht) zu behaupten, dass die Naturwissenschaften Fragen nach Ziel und Zweck nicht beantworten können; es ist eine ganz andere, Ziel und Zweck selbst als Illusion anzusehen.
Besonderer Dank gebührt dem Autor für die umfangreiche und äußerst nützliche Sammlung von Zitaten namhafter Wissenschaftler. Z.B. zitiert er den Genetiker Niles Eldredge: „...ich fand heraus, dass Arten, sobald sie in der Fossildokumentation erscheinen, dazu neigen, sich überhaupt nicht viel zu verändern. Arten bewahren wie selbstverständlich einen unerschütterlichen, erbitterten Widerstand gegenüber Veränderung - oft mehrere Jahrmillionen lang.“  Dieses Urteil wird von Colin Patterson vom Naturgeschichtemuseum in London unterstützt.  Im Zusammenhang mit der Diskussion um den Archaeopteriyx, der häufig als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln genannt wurde, schreibt er: „Um die Karten auf den Tisch zu legen: Es gibt nicht ein einziges solches Fossil [das eine Ahnen- oder Übergangsform darstellt], für das man ein wasserdichtes Argument ins Feld führen könnte“.  Als weitere  Kostprobe sei der Biophysiker Dean Kenyon zitiert: „Wenn die Wissenschaft auf der Erfahrung beruht, dann sagt uns die Wissenschaft, dass die in der DNS verschlüsselte Botschaft von einer intelligenten Ursache herrühren muss. Was für eine Art intelligenter Urheber war es? Alleine kann die Wissenschaft diese Frage nicht beantworten; sie muss sie der Religion und Philosophie überlassen. Doch das sollte die Wissenschaft nicht daran hindern, Hinweise auf einen intelligenten Ursprung anzuerkennen, wo immer diese auftauchen mögen.
Einen solchen Hinweis gibt der Beginn des Johannesevangeliums: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“  John Lennox schreibt dazu:  „Im Altgriechischen ist das Wort, das man mit „Wort“ übersetzt, logos, das von griechischen Philosophen oft für das rationale Prinzip, das das Universum regiert, verwendet wurde. Hier haben wir die theologische Erklärung für die rationale Verständlichkeit des Universums: Es ist das Produkt des Geistes schlechthin, des göttlichen logos. Denn was hinter dem Universum steht, ist viel mehr als ein rationales Prinzip. Es ist Gott, der Schöpfer selbst. Es ist keine Abstraktion oder unpersönliche Kraft, die hinter dem Universum steht. Es ist ein persönlicher Gott. Und genau wie Tante Mathilde nicht Teil des Kuchens war, so ist Gott nicht ein Teil des Stoffs, aus dem das Universum besteht... Die Wissenschaft hat also keineswegs Gott begraben. Nicht nur zeigen die Ergebnisse der Wissenschaft in die Richtung seiner Existenz – ich behaupte, dass das naturwissenschaftliche Unternehmen selbst erst durch Gottes Existenz seinen Sinn erhält“.

Prof. Dr. Hartmut Ising in „Perspektive“ 9/2002, S. 30 f.

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