28.07.2014

Matthias Hilbert

Hermann Hesses Kindheit im frommen Elternhaus – Wenn Vorurteil auf Wirklichkeit trifft

Dargestellt an Gunnar Deckers Hesse-Biographie

Hermann Hesse (1877–1962), Calwer Missionarssohn und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1946, hatte bekanntlich eine dramatisch verlaufende Pubertätskrise durchgemacht, mit vorzeitigem Schulabbruch, Selbstmorddrohungen und zeitweiligem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt. In den Hesse-Biografien ist es seit je üblich, dem frommen, protestantisch-pietistischen Elternhaus einseitig alle Schuld für Hesses Entwicklungsnöte zuzuschreiben und den Eltern aufgrund ihrer Frömmigkeit quasi ein Erziehungsverhalten à la „Schwarzer Pädagogik“ zu unterstellen.
Das Jahr 2012 nun ist ein Hesse-Jubiläumsjahr gewesen. In den Medien wurde ausführlich des 50. Todestages des Dichters gedacht. Zwei großangelegte Biografien erschienen: Gunnar Deckers Hermann Hesse. Der Wanderer und sein Schatten sowie Heimo Schwilks Hermann Hesse. Das Leben des Glasperlenspielers. Ist Schwilk wenigstens um Sachlichkeit und eine gewisse Fairness gegenüber Hesses Eltern bemüht, so bedient Decker in seiner opulenten, rund 700 Seiten starken Biografie hemmungsloser denn je das Klischee und Vorurteil vom repressiven, bigotten und liebesunfähigen Elternhaus. Wie geradezu manipulativ dabei vorgegangen wird, indem unter anderem Quellen einseitig hervorgehoben und im Sinne des Autors interpretiert und andererseits Quellen oder Quellenteile unterschlagen werden, die der dem Biografen von Anfang an feststehenden Sicht widersprechen würden, möchte ich exemplarisch an einzelnen Passagen aus seinem Buch darstellen und die darin enthaltenen Unterstellungen widerlegen.

Dateien:

pdf, 126kb

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