02.12.2010
REZENSIONEN

Rezension von Dr. Werner Neuer

Rezension von Dr. Werner Neuer

Pünktlich zum „Darwin-Jahr“ erscheint die angezeigte, erstmals 2002 erschienene Untersuchung des Oxforder Mathematikers John Lennox in einer völlig neu bearbeiteten und erheblich erweiterten 8. Auflage. Das glänzend geschriebene Buch ist nicht nur eine tiefschürfende Auseinandersetzung mit dem Neodarwinismus, sondern zugleich eine facettenreiche Darstellung des Verhältnisses von christlichem Glauben und Naturwissenschaft insgesamt unter Einbeziehung der neueren Atheismus-Debatte. Die Studie geht zurück auf Vorträge des Vf.s zum Thema „Glaube, Vernunft und Wissenschaft“, die er an den Universitäten Oxford und Salzburg gehalten hat.

Um den Gesamteindruck vorwegzunehmen: Ich halte dieses Buch für die beste Publikation zum Thema Glaube-Naturwissenschaft, die in den letzten 10 Jahren im deutschsprachigen Raum erschienen ist! Mehrere Vorzüge machen die Besonderheit dieses Werkes aus:

Eindrucksvoll ist zunächst die ungewöhnliche Themenbreite des Buches, welche die für Glauben und Theologie wesentlichen Fragen der Physik, Chemie, Biologie und Kosmologie unter Heranziehung der grundlegenden wissenschaftstheoretischen, philosophischen und theologischen Aspekte erörtert. Dabei ist bewundernswert, in welchem Maße es dem Vf. gelingt, auf dem Hintergrund der neuesten Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung den aktuellen Stand der Diskussion (bis 2008!) so zu präsentieren, dass er weder einer vergröbernden Oberflächlichkeit verfällt noch sich in den wissenschaftlichen Details verliert. Seine durchaus anspruchsvolle Darstellung ist bemerkenswert anschaulich und daher auch für den Laien verständlich. Es gelingt Lennox bei aller Vielfalt der dargestellten Problemfelder, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Für den Vf. wesentlich und zentral aber ist das Verhältnis der Naturwissenschaft zur Gottesfrage. Dieses Thema bildet (wie schon der Titel erkennen lässt) den roten Faden des Buches. Was der Autor hier vorbringt, lässt aufhorchen: Lennox beschränkt sich nämlich nicht auf eine bloße defensio fidei im Sinne einer Verteidigung der trotz der fortschreitenden naturwissenschaftlichen Erkenntnis verbleibenden Denkmöglichkeit des Glaubens, sondern vertritt – unter strikter Vermeidung jeder obsoleten „Lückenbüßer“-Argumentation – mit eindrucksvollen Argumenten die These, dass gerade nach dem gegenwärtigen Stand naturwissenschaftlicher Erkenntnis eine rein naturalistisch-atheistische Interpretation der konkreten Beschaffenheit der Natur nicht gerecht zu werden vermag: Die von der neuzeitlichen Naturwissenschaft vorausgesetzte rationale Verstehbarkeit der Kosmos und zahlreiche Einsichten der neueren Physik und Biologie (z.B. die gegen alle Wahrscheinlichkeit existierende menschliches Leben begünstigende „Feinabstimmung“ des Universums, die „irreduzible Komplexität“ vieler Prozesse in der Zellbiologie und die „Information“ als Fundament allen Lebens und sogar der Mikrowelt der Quantenphysik) legen vielmehr eine außerweltliche „Intelligenz“ nahe, über deren Wesen und Identität zwar nicht mehr die Naturwissenschaft, aber die biblische Selbstoffenbarung des Schöpfers der Welt Auskunft zu geben vermag.

Die Untersuchung von Lennox verbindet eine sorgfältige Darlegung der Fakten mit unkonventionellen, aber konsequenten Folgerungen und eine offensive Auseinandersetzung mit Fairness und – immer wieder – wohltuendem Humor. Man spürt, dass seine mit vielen treffenden Zitaten belegte Darstellung die Frucht einer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema ist. Der bekannte Oxforder Theologe und Naturwissenschaftler Alister McGrath hat dieses Buch treffend als „glänzend begründete Neueinschätzung der Beziehung zwischen ‚Wissenschaft und Religion“ bezeichnet, dessen Lektüre für jeden „ein Muss“ sei, „der über die größten Fragen des Lebens“ nachdenke. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Dr. Werner Neuer, Theologische Beiträge 3/2009

 

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