02.12.2010
REZENSIONEN

Rezension von Hermann Hafner

Rezension von Hermann Hafner

Nach J. Lennox: Hat die Wissenschaft Gott begraben? und U. Eibach: Gentechnik und Embryonenforschung ist dies der dritte Band der vom Institut für Glaube und Wissenschaft der Studentenmission in Deutschland herausgegebenen Reihe "Glaube und Wissenschaft". Der Band beschäftigt sich eingehend mit den komplexen Beziehungen zwischen (Natur-) Wissenschaft, Weltbild und Glaube und will Hilfestellung zu einer angemesse-nen Wahrnehmung dieser Beziehungen geben.

Rainer Mayer, Theologe an der Universität Mannheim, hat einen geistesgeschichtlichen Überblick zur Entwicklung des Verhältnisses von Glaube und Wissenschaft beigetragen und dabei erste Konsequenzen für eine sachliche Bestimmung des Verhältnisses beider gezogen ("Warum glauben, wenn Wissenschaft doch Wissen schafft", S. 7-28). Der größere Teil des Buches stammt von Peter C. Hägele, Physiker an der Universität Ulm ("Wie viel Weltbild braucht der Mensch?", S. 29-128).

In seinem ersten Kapitel ("Wissenschaft und Weltbild", S. 29-37) macht Hägele auf die nicht immer spannungsfreie Komplexität der Beziehung zwischen Wissenschaft und Weltbild aufmerksam und darauf, dass unsere Weltbilder stets über unser wissenschaftliches Wissen hinausgreifen und Wissenschaft nur einen Teilaspekt zu unserem Weltbild beitragen kann ("Naturbild"); somit kann auch das naturwissenschaftliche Wissen mit unterschiedlichen Weltbildern verknüpft und in sie integriert werden.

Das zweite Kapitel (S. 38-75) erläutert eingehend anhand modelltheoretischer Überlegungen "Tragweite und Grenzen der naturwissenschaftlichen Methodik" und markiert damit von innen her die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis.

Das dritte Kapitel ("Modellbildung im biblisch-christlichen Denken", S. 76-84) zieht die methodischen Parallelen zum Bereich des Glauben und markiert auch hier die Grenzen der verwendeten Bilder.

Auf diesem Hintergrund nimmt das vierte Kapitel ("Naturbild und Weltbild", S. 85-101) den Ansatz des ersten Kapitels wieder auf und unternimmt anhand von Textbeispielen eine nähere Beleuchtung der Differenz und der Beziehung von Naturbild und Weltbild. Dabei wird konkreter deutlich, dass das Naturbild mehrdeutig ist, dass also dasselbe Naturbild in unterschiedliche Weltbilder eingebettet werden kann. Und schließlich wird der Sachverhalt diskutiert und in seiner Tragweite beleuchtet, dass auch das Naturbild, also die wissenschaftliche Theorienbildung, von außerwissenschaftlichen Voraussetzungen mitgeprägt wird ("Themata" nach G. Holton) und somit sein Objektivitätsanspruch deutliche Grenzen hat.

Im abschließenden fünften Kapitel ("Das biblisch-christliche Weltbild", S. 102-120) wird die Frage eines biblischen Weltbildes und das Problem der Gottesbilder diskutiert, wobei letztlich der Vorrang der Beziehung Gottes zu uns vor den Bildern zur Geltung kommt.

Ein Personenregister erschließt die vielfältigen Zitate und Bezugnahmen.

Das Buch ist eine gründliche und gut zugängliche Hilfe für das Durchdenken der grundlegenden Bezüge zwischen Glaube, Weltbild und Wissenschaft. Von der schulischen Sekundarstufe II an aufwärts wird es gute Dienste leisten.


(Aus Evangelium und Wissenschaft 44, Mai 2004).

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