30.11.2010
REZENSIONEN

Rezension von Prof. Dr. Helmut Brückner

Rezension von Prof. Dr. Helmut Brückner

Der Apologet John Lennox, Professor für Mathematik an der Universität Oxford, meldet sich wieder zu Wort. Diesmal diskutiert er die Thesen des weltberühmten, gelähmten Astrophysikers Stephen Hawking, der in seinem Buch „Der große Entwurf“ die Entstehung unseres Kosmos ohne einen Schöpfer zu erklären versucht. Der Spiegel titelte: „Entstehung des Alls. Hawking hält Schöpfergott für überflüssig“ (20.09.2010). Hawkings zentrale These: „Da es ein Gesetz wie das der Gravitation gibt, kann und wird sich das Universum […] aus dem Nichts erzeugen“ (S. 20). Lennox enttarnt diese Behauptung als Glaubensaussage; sie ist nicht naturwissenschaftlich, sondern zutiefst philosophisch. Früher hatte Hawking angesichts der Gültigkeit der Naturgesetze noch völlig zu Recht die Frage aufgeworfen: „Wer haucht den Gleichungen den Odem ein und erschafft ihnen ein Universum, das sie beschreiben?“ Mit anderen Worten: Warum gibt es das Gesetz der Schwerkraft? Warum gilt E = mc2? Die mathematische Beschreibbarkeit unserer Welt ist erstaunlich. Wenn man dahinter nicht die Schöpferkraft Gottes sehen kann oder will, kommt man zu abstrusen Konstruktionen. Auf der Suche nach der Weltformel bzw. der einheitlichen Theorie erfindet Hawking Multiversen (Plural von Universum). Doch damit verlässt er den Bereich der Physik und begibt sich auf das Gebiet der Metaphysik, einer Disziplin, deren Tod er zuvor verkündet hatte. Lennox weist mit bestechender Logik auf die Schwachstellen im Gedankengebäude von Hawking hin. Es wird deutlich, dass der Glaube an einen persönlichen Schöpfer die unvergleichlich bessere Alternative ist zu dem Glauben an geistlose Materie, die sich selbst erzeugt. Und Lennox tut dies mit instruktiven Beispielen, immer auch mit einem gewissen Augenzwinkern: „Mich wundert es ein wenig, dass Atheisten oft für die Existenz außerirdischer Intelligenzen argumentieren. Dabei sind sie doch so sehr bestrebt, die Möglichkeit zu leugnen, dass es ‚da draußen‘ ein unermessliches, intelligentes Wesen gibt, nämlich Gott, der seine Fingerabdrücke überall in seiner Schöpfung hinterlassen hat“ (S. 74). Das Buch ist auch für wissenschaftlich nicht vorgebildete Leserinnen und Leser geeignet – für Atheisten, damit sie staunen, dass der Glaube an einen Schöpfer durchaus sinnvoll ist, für uns Christen, damit wir mit dem Handwerkszeug ausgestattet werden, um stets Rechenschaft ablegen zu können über den Grund der Hoffnung, die in uns ist (1 Petr 3,15).

Prof. Dr. Helmut Brückner, Universität Köln, Mitglied der Akademie der Deutschen Naturforscher Leopoldina

www.geographie.uni-koeln.de/index.710.de.html

aus: Charisma 6/2011

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