02.12.2010
REZENSIONEN

Rezension von Prof. Dr. Helmut Brückner

Rezension von Prof. Dr. Helmut Brückner

Wir leben in einer szientistischen, d.h. wissenschaftsgläubigen, Zeit. Viele Menschen meinen, dass es keine Möglichkeit der Harmonisierung zwischen Wissenschaft einerseits und Glaube an Gott andererseits gibt. Das in der von Dr. Jürgen Spieß herausgegebenen Reihe „Glaube und Wissenschaft“ des Instituts für Glaube und Wissenschaft erschienene Buch von John Lennox widerlegt diese Annahme umfassend und mit einer reichen Palette an Argumenten. Dass es nun in der 8. Auflage erscheint, zeigt die enorme Wirkung, die der Professor für Mathematik an der Universität Oxford, einer der großen Apologeten (Verteidiger des Glaubens) unserer Zeit, mit ihm schon erzielt hat. Es ist eine vortreffliche Werbung dafür, dass man auch heute intellektuell redlich an Gott glauben und gleichzeitig Wissenschaft treiben kann. Völlig zu Recht wird der Verstand nicht vergöttert, wie es etwa der moderne Atheismus tut, sondern es werden deutlich die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis aufgezeigt.

John Lennox beschreibt treffend das Spannungsfeld zwischen Naturalismus und Theismus (Kap. 1), diskutiert die Reichweite von Wissenschaft (Kap. 2), fragt nach dem Urgrund allen Seins (Kap. 3) und danach, was für Planung im Universum und speziell in der Biosphäre spricht (Kap. 4+5). Es folgt eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Evolutionslehre (Kap. 6). Dann erörtert der Verfasser den Ursprung des Lebens und speziell des genetischen Codes (Kap. 7+8) und bringt die Information als entscheidende Größe ins Spiel (Kap. 9). An dem klassischen Beispiel der Affenmaschine wird die (Un-) Wahrscheinlichkeit der spontanen Entstehung von Leben erörtert (Kap. 10). Danach thematisiert der Autor den Ursprung der Information (Kap. 11) und wendet sich schließlich dem Phänomen der Wunder zu (Kap. 12).

In einem kurzen Nachwort schlussfolgert Lennox – nun deutlich über den naturwissenschaftlichen Tellerrand blickend –, dass „die letztgültige Wirklichkeit hinter dem Universum ein persönlicher Gott ist. (…) Nur weil es nicht in den Kompetenzbereich der Wissenschaft fällt, heißt das nicht, dass es keine Beweise dafür gibt“ (S. 294 f.). Und schließlich: „Die wissenschaftlichen Ergebnisse weisen auf seine [Gottes] Existenz hin und das Unternehmen Wissenschaft als solches verdankt seine Kraft der Existenz Gottes“ (S. 295).

Das Buch ist trotz wissenschaftlicher Genauigkeit verständlich geschrieben, die Aussagen werden mit vielen instruktiven Beispielen untermauert. Der auch als Redner gefragte Autor besticht durch intellektuellen Scharfsinn und rhetorische Brillanz sowie durch den für Briten so typischen Duktus des Understatements, gepaart mit augenzwinkerndem Humor. Das macht die Lektüre leicht – trotz der schwergewichtigen Fragen nach unserem Woher, Wozu und Wohin.

Ich wünsche dem Werk eine möglichst große Verbreitung – in christlichen Kreisen, hier fehlt es oft an der Fähigkeit, intellektuell redlich Rechenschaft abzulegen über den Grund der Hoffnung, die in uns ist (1. Petrus 3, 15), und in atheistischen Kreisen, hier fehlt es oft an der Erkenntnis, dass der christliche Glaube durchaus auch vernünftig ist.

Die Quintessenz seiner Kosmologie bringt Lennox zum Schluss treffend auf den Punkt: „Wir alle … müssen uns für Grundannahmen entscheiden, von denen wir ausgehen. Dafür stehen nicht viele Optionen zur Verfügung – eigentlich nur zwei. Entweder verdankt die menschliche Intelligenz ihren Ursprung geistloser Materie, oder es gibt einen Schöpfer. Es befremdet, wenn einige behaupten, dass ihre Intelligenz sie dazu bringt, Ersteres dem Zweiten vorzuziehen“ (S. 295).

Prof. Dr. Helmut Brückner, Universität Marburg, Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Aus „Charisma“ 4/2009

 

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