02.12.2010
REZENSIONEN

Rezension von Wolfgang Doerk

Rezension von Wolfgang Doerk

Von der ersten bis zur letzten Seite durchzieht beide Bücher ein Anliegen: angesichts veränderter Rahmenbedingungen in der Gesellschaft und zunehmend nichtchristlicher Werthaltungen sowie neuer medizinischer Möglichkeiten und finanzieller Belastungsgrenzen der Kassenbudgets eine Lanze zu brechen für diejenigen in der Gesellschaft, die als erste die Opfer der weiteren Entwicklungen in Medizin und Biotechnik zu werden drohen: Ungeborene, schwer Geschädigte, unheilbar Kranke, alte Menschen, die intensiver und damit teurer Pflege bedürfen.

Immer wieder kehrt der Autor zum zentralen Begriff der "Würde" zurück, der seit Kant dergestalt ausgehöhlt ist, dass "Würde" durch den Menschen selbst konstituiert und "also nicht mehr von ‚außen', von Gott her zugesprochen wird" (Menschenwürde S. 21). Daraus ergeben sich in allen Bereichen, die in Eibachs erstgenanntem Buch zur Diskussion stehen, gefährliche Konsequen-zen, die ihren vorläufigen Höhepunkt in den Euthanasie-Regelungen der Niederlande gefunden haben.

Als langjähriger Klinikseelsorger in Bonn sowie als Professor für Systematische Theologie und Ethik an der dortigen Universität hat Ulrich Eibach genügend Erfahrungen, die aktuellen Fragestellungen kompetent und scharfsinnig zu analysieren und unter Rückbezug auf die christliche Tradition ethisch zu reflektieren. Eibachs Fazit im Blick auf die andauernde Kostendiskussion im Gesundheitswesen: "ohne Verzicht um der hilfsbedürftigen Menschen willen wird die Achtung ihrer Menschenwürde nicht zu gewährleisten sein" (Menschenwürde S. 202).

 

 

Das zweite Buch (Gentechnik...) weitet die Überlegungen des ersten auf Gebiete der Gentechnik aus, die für den Menschen mehr und mehr interessant werden, (z. B. vorgeburtliche Diagnostik -PND -, Klonierungen, Präimplantationsdiagnostik - PID - ) und fragt auch hier nach inhärenten Voraussetzungen in den gängigen Argumentationen (z. B. wann beginnen Forschungsziele "hochrangig" zu sein?). Durch neue biotechnische Methoden werden auch bisher nicht da gewesene ethische Probleme aufgeworfen, deren man sich oft erst im Nachhinein bewusst wird. Welche ethischen Werte werden z. B. bei der PID berührt, in der praktischen Durchführung jedoch häufig nicht einmal benannt?

Dankenswerterweise hat der Autor auch noch den Beschluss des Bundestages (30. 01. 2002) zum Stammzellenimport einer kritischen Prüfung unterzogen, scheint sich doch durch den Beschluss eine Entwicklung abzuzeichnen, die den Freiraum zu weitergehenden Forschungen an Embryonen eröffnen wird. Eibach bezieht auf der Grundlage christlicher Ethik deutlich Position (v. a. in den ethischen Thesen ab S. 208). Und auch wenn manche "Dämme" schon gebrochen scheinen, entbindet dies verantwortlich denkende Menschen nicht von der Aufgabe, immer wieder an die tragenden Werte zu erinnern, ohne die eine menschliche Gemeinschaft - will sie noch menschlich bleiben - nicht existieren kann.

(Aus Evangelium und Wissenschaft 42, Mai 2003).

 

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