30.11.2010

Dr. Andreas Püttmann

Sind Christen anders?

Zur Wirksamkeit christlicher Morallehre und Sozialethik

Bei der Würdigung von Leistungen der Christlichen Sozialethik wird traditionell auf die Inspiration politischer Sozialreformen, die Gründung gesellschaftlicher Verbände und die institutionalisierte Caritas bzw. Diakonie verwiesen; vielleicht noch auf die Europäische Integration, den osteuropäischen Transformationsprozeß oder die internationale Entwicklungszusammenarbeit – kurzum: auf strukturelle Reformen und Innovationen, politische Impulse und Prozesse, die “Geschichte gemacht“ haben. Im Vordergrund stehen dabei Gerechtigkeitsfragen und Wirtschaftsethik, Normen und Werte, weniger die politische Ethik und die Tugenden. Dabei wird im Rückblick auf unumstrittene Verdienste christlicher Sozialverkündigung meistens ein Bedeutungsverlust konstatiert, der sich in die allgemeine Beobachtung eines Niedergangs kirchlichen Einflusses auf Staat und Gesellschaft einfügt – jedenfalls in Europa. Als evidentestes Beispiel sei nur die EU-Verfassungsdebatte erwähnt, in der es mißlang, die christliche Identität des Kontinents in der Präambel zu verankern.

Völlig übersehen wird dabei die immer noch -zigmillionenfache Wirkung christlicher Ethik auf individuelle Lebenssituationen, auf Herzen und Gewissen von Menschen, auf soziale Entscheidungen in Familie, Beruf und Gesellschaft, die in kein historisches Dokument, kein Gesetzesblatt, keine statistische Messung eingehen, aber den Zustand des bonum commune, der res publica wahrscheinlich mehr prägen als die großen “Haupt- und Staatsaktionen“.

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