Prof. Dr. Ulrich Eibach

Patientenautonomie angesichts schwerster Krankheit und des Todes?

Eine empirisch kritische Betrachtung eines philosophisch-juristischen Postulats

Damit stoßen wir auf eine erste ethisch entscheidende Erkenntnis dieser Befragungen. Es besteht ein grundsätzlicher Unterschied, ob Menschen in gesunden Tagen und ohne die Erfahrung ernsthafter Erkrankung eine Verfügung über die Art ihrer Behandlung in schwerer Krankheit befürworten oder schon treffen oder ob sie in der existentiellen Betroffenheit durch eine schwere unheilbare Krankheit herausgefordert sind, über ihre Behandlung selbst zu entscheiden oder darauf zu verzichten. Menschen mit längerer Krankheitserfahrung ahnen, dass man letztlich nur in der Situation der persönlichen Betroffenheit durch eine schwere Krankheit und nicht vorweg sagen kann, wie man dann behandelt werden und ob man diese Entscheidung ganz oder teilweise anderen, den Ärzten und/oder den Angehörigen, überlassen möchte. Je mehr ein Mensch in einer schweren Krankheit erfährt, dass ihm die Kraft zu Teil wird, mit einer zunehmend schwereren Belastung zu leben, und dass ihm geholfen wird, sie zu tragen, um so mehr schwindet die Sorge und Angst, er könnte daran zerbrechen und verzweifeln, er werde von anderen im Stich gelassen, nur als "Objekt" medizinischer Behandlung betrachtet, ihm würden unnötige Leiden ohne Aussicht auf Erfolg aufgebürdet.

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