30.11.2010

Prof. Dr. Michael Utsch

Psychologie als Weltanschauung?

Die Psychologie steht an einem Scheideweg: Bleibt sie eine Profession, oder wird sie eine Konfession? Auf dem alternativen Psychomarkt vermischt sich Therapie immer stärker mit Esoterik und Religion, psychologische Theorien werden zu weltanschaulichen Sinnlehren verfremdet. Um sich von der esoterischen Beliebigkeit abzugrenzen, muß die Psychologie visionäre Lebensziele auf ihre Alltagstauglichkeit prüfen. Seriöse Psychotherapeuten können ohnehin nur "diesseitige" Lebenshilfe leisten - niemals aber umfassende Glücks- oder Heilsversprechen einlösen. Lebensweisheiten unterschiedlichster Kulturen sind "in". Ob es indianische Heilrituale, asiatische Meditationstechniken oder das Geheimwissen australischer Ureinwohner sind: je exotischer und fremder die Methode, desto höhere Erwartungen werden an sie gestellt. Von den Praktiken und Ritualen aus anderen Kulturen hoffen viele im Westen, dem als Sackgasse empfundenen Fortschrittsdenken zu entkommen. Unser enorm angewachsenes Wissen hat uns manche Annehmlichkeit und verbesserte Lebensqualität beschert, nur eines nicht: das Geheimnis eines zufriedenen, erfüllenden Lebens. Jedes Menschenleben wird mit dem Schicksalhaften menschlicher Existenz konfrontiert - mit Schuld, großem Leiden und unserer Endlichkeit: dem Tod. Die Frage nach dem Sinn unseres Daseins benötigt keine wissenschaftlichen Informationen, sondern verlangt eine weltanschauliche Orientierung.

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