02.12.2010
REZENSIONEN

Rezension von Prof. Dr. Dieter Senghaas

Rezension von Prof. Dr. Dieter Senghaas

In diesem Buch legt Hermann Sautter, ein seit vielen Jahrzehnten für die Thematik ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler, eine vorzügliche Darstellung über die diversen Dimensionen der Globalisierungsproblematik vor. Der Autor gehört nicht zu jenen Ökonomen, die aufgrund abstrakter, weil modellplatonischer Annahmen jede Art von Internationalisierung ökonomischer Prozesse für segensreich, weil gewinnfördernd halten. Sautter thematisiert die Vorteile von Globalisierung, aber auch die Schattenseiten. Zu den Vorteilen zählt er ggf. Preisvorteile beim Import, neue Arbeitsplätze vor allem in aufwärtsmobilen Entwicklungsländern sowie die Ausbreitung von technisch-wirtschaftlichem Wissen, was zu einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität führt. Zu den Schattenseiten zählt er den Verdrängungswettbewerb gegenüber geringqualifizierten Arbeitskräften insbesondere in den alten Industrieländern, den „race to the bottom“, worüber sozial- und arbeitsmarktpolitische Mindeststandards unterlaufen werden, die Krisenanfälligkeit internationaler Finanzmärkte, die Akzentuierung innerstaatlicher Einkommensunterschiede, die Asymmetrien in internationalen Regelwerken zuungunsten der Entwicklungsländer und unzureichende internationale Regelsysteme, die eine zu geringe Wirksamkeit gegen den Verlust globaler Kollektivgüter haben. Wollte man eine bessere Globalisierung, dann sind nach Sautter die Risiken zu begrenzen, ohne die Vorteile aufs Spiel zu setzen. Dazu finden sich in diesem Buch kenntnisreiche und kluge Empfehlungen hinsichtlich der zu erfüllenden globalen Ordnungsaufgaben wie auch der Anpassungserfordernisse der Einzelstaaten. Anders als in der gängigen ökonomistisch-lastigen Literatur argumentiert Sautter wohltuend erfahrungswissenschaftlich orientiert. Das heißt, seine Argumentation ist in vergleichender empirischer Analyse vieler unterschiedlich gelagerter Fälle begründet, somit empiriegesättigt und erst darauf aufbauend theorieorientiert. Auf der Grundlage eines solchen analytischen Profils dürfte dieses Buch gerade auch für Nichtökonomen besonders zugänglich und aufschlussreich sein.

 

Dieter Senghaas

Zeitschrift „Das Historisch-Politische Buch“, hrsg. im Auftrag der Ranke-Gesellschaft Vereinigung für Geschichte im öffentlichen Leben e.V.

www.hpb.uni-koeln.de

 

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