02.12.2010
REZENSIONEN

Rezension von Prof. Dr. Laufs

Rezension von Prof. Dr. Laufs

Der Autor, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität Bonn und Krankenhauspfarrer an der dortigen Universitätsklinik, erörtert in seinem jüngsten Buch vorwiegend die verschiedenen Formen der genetischen Diagnostik beim Menschen und die verbrauchende Forschung mit menschlichen Embryonen aus ethischer Perspektive. Er führt den Leser auf das Feld der viel diskutierten biotechnischen Fortschritte, die zu einer "Krise vieler bisher noch als grundlegend erachteter moralischer und rechtlicher Vorstellungen geführt" haben, ohne dass die Ziele der ungeheuren wissenschaftlich-technischen Errungenschaften bekannt wären. Nach einer Einführung behandelt der Autor in sieben weiteren Abschnitten Menschenbild und Menschenwürde in der Biomedizin, die verbrauchende Forschung mit menschlichen Embryonen, die genetische Diagnostik in Therapie und Forschung, die Ethik des Heilens vor dem Hintergrund der Achtung der Würde des Menschen, grundsätzliche ethische Probleme der Gentechnik in nichtmenschlichen Lebensbereichen, ethische Thesen zur Forschung mit menschlichen Embryonen, zur genetischen Diagnostik und Therapie und zur Anwendung gentechnischer Methoden in nichtmenschlichen Lebensbereichen, schließlich die Forschung mit embryonalen Stammzellen. Der Text ist flüssig und klar geschrieben, ohne Fußnoten. Am Schluss finden sich ausgewählte Literaturangaben zu den einzelnen Kapiteln.

Den Kern der Überlegungen bildet, wie der Titel verheißt, der "maßgeblich christlich mitbestimmte Sinn" der Würde des Menschen. Auch ein zu weltanschaulicher Neutralität verpflichteter Staat könne "sich nicht von seinen eigenen geistig-kulturellen Wurzeln so abschneiden, dass er sich hinsichtlich der Wertauffassungen zurückzieht auf ein rein scientistisches und reduktionistisches, alle nicht empirisch-wissenschaftlich feststellbare Wirklichkeit leugnendes und daher angeblich wertfreies Verständnis der Lebenswirklichkeit, in der jeder seine eigenen Lebensvorstellungen und Interessen gemäß seinem Vermögen durchsetzen darf" (S. 48 f.). Alle "Ethik des Heilens" wur-zele in der Achtung der Menschenwürde und Menschenrechte allen Menschenlebens und sei ihr uneingeschränkt ein- und unterzuordnen (S. 172). Nach christlicher Sicht gelte es entschieden daran festzuhalten, "dass es erste Aufgabe des Rechts ist, für die Achtung der Würde aller Menschenleben einzutreten und insbesondere diejenigen Glieder der Gesellschaft zu schützen, die ihre Rechte nicht selbst geltend machen, die ihr Leben nicht selbst schützen können und deren Leben gegebenenfalls durch die Interessen anderer bedroht ist" (S. 49).

Folgerichtig erhebt der Autor Bedenken auch gegen den Kompromiss eines begrenzten Imports embryonaler Stammzellen; (dazu neuerdings Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit [Hrsg.], Enquete-Kommission Recht und Ethik der modernen Medizin. Stammzellforschung und die Debatte des Deutschen Bundestages zum Import von menschlichen embryonalen Stammzellen, 2002). Der Rezensent teilt die Einschätzung des Autors, dass im Namen der Forschungsfreiheit und ökonomischer Interessen "die Tür zum verbrauchenden Umgang mit menschlichem Leben nun mit größter Wahrscheinlichkeit auch in Deutschland ... immer weiter geöffnet werden und nicht mehr zu schließen sein" wird (S. 231). Diesem Druck werde auch das Embryonenschutzgesetz auf die Dauer nicht standhalten. Das eindringliche Buch wird nicht nur Christen bestärken, sondern alle Leser nachdenklich machen.

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